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Diamond-Blackfan Anämie (abgekürzt: DBA)

      Diagnose

 

DIAGNOSE

Was ist DBA?

Die Diamond-Blackfan-Anämie (DBA) ist eine seltene, angeborene hypoplastische Anämie, bei der die Erythropoese betroffen ist (s. Übersicht). Im Vergleich zur DBA sind erworbene hypoplastische Anämien im Kindesalter sehr viel häufiger. Bei Verdacht auf DBA sollten vor allem eine transitorische Erythroblastopenie des Kindesalters (Erythroblastophthise) und eine (chronische) Parvovirus-B19-Infektion ausgeschlossen werden. Die Inzidenz der DBA in den Ländern mit DBA-Registern (Deutschland, Frankreich, England, Nordamerika) wird mit 1-7 pro 1 Million Lebendgeburten angegeben (Willig et al. 1999; Vlachos et al. 2001a).

Die Mehrzahl der Erkrankungen werden als sporadisch eingeordnet. Bei 10-20% der Patienten wird die DBA vererbt, so daß Familienmitglieder 1. und 2. Grades betroffen sein können. Der genaue Vererbungsmodus ist z.Zt. noch nicht geklärt.

Symptome

Die Kinder fallen durch Symptome der Anämie wie Blässe, Müdigkeit oder Tachykardie auf. Der Hb-Wert bei Diagnose liegt im Median bei 6,7 g/dl. Bei über 90% der Fälle wird die Erkrankung innerhalb des 1. Lebensjahres diagnostiziert, gelegentlich schon bei Geburt (Willig et al. 1999). Fehlbildungen finden sich bei ca. 25-40% der Patienten (Willig et al. 1999). Betroffen ist vor allem der Hals-und Kopfbereich sowie die oberen Extremitäten, insbesondere der Daumen. Etwa 50% aller Patienten ist kleinwüchsig.

Diagnosekriterien

  • Normochrome, meist makrozytäre, selten auch normozytäre Anämie in der frühen Kindheit
  • Retikulozytopenie
  • Normozelluläres Knochenmark mit selektivem Fehlen von Vorstufen der roten Zellreihe
  • Normale Leukozytenzahlen

  • Normale bis leicht erhöhte Thrombozytenzahlen
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THERAPIE

Es gibt im wesentlichen 3 Therapieoptionen: Bluttransfusionen, Kortikosteroide und die Knochenmarktransplantation.

Bluttransfusionen

Transfusionen mit Erythrozyten-Konzentraten stellen die Therapie der Wahl im 1. Lebensjahr dar. Patienten, die nicht auf Steroide ansprechen, benötigen langfristig alle 3-6 Wochen eine Transfusion, um den Hb-Wert über 8-9 g/dl zu halten. Bei langfristiger Transfusionsbehandlung besteht als Hauptkomplikation das Risiko einer Eisenüberladung. Dann ist eine zusätzliche Chelattherapie nötig, damit der Körper das überschüssige Eisen ausscheiden kann. Die wirksamste und einzige bisher etablierte Methode besteht in der täglichen Gabe von Desferrioxamin s.c. (Handelsname DesferalŽ). Die Eisenüberladung im Körper sollte überwacht werden. Hier ist speziell die nicht-invasive Biomagnetometer-Untersuchung (SQUID) zu empfehlen, die in der Universitätsklinik Hamburg durchgeführt wird.

Kortikosteroide

Aufgrund der negativen Effekte auf das Wachstum wird ein Steroidversuch mit Prednison / Prednisolon erst im 2. Lebensjahr empfohlen. 60-70% der Patienten sprechen auf Steroide an. Die Behandlung wird in der Regel mit einer Dosis von 2 mg/kg Körpergewicht begonnen. Anschließend wird versucht, die Dosis innerhalb von 6 Wochen auf unter 0,5 mg/kg Körpergewicht zu reduzieren. Sinkt der Hb hierunter unter 6 g/dl, ist von einem Therapieversagen auszugehen. Ist eine zu hohe Steroiddosis (über 0,5 mg/kg) erforderlich, um den Hb stabil zu halten, oder kommt es zu nicht tolerablen Nebenwirkungen, muß unter Umständen auf ein Transfusionsregime umgestellt werden.

Knochenmarktransplantation

Bei transfusionsabhängigen Patienten mit HLA-identem Geschwisterspender kann eine Knochenmarktransplantation erwogen werden. Diese ist die bisher einzige kurative Therapieform. Die Transplantation sollte in diesem Fall möglichst früh, d.h. ab dem Alter von 2 Jahren vor Beginn einer Chelattherapie, erfolgen. Die internationalen Daten zur allogenen Fremdspendertransplantation sind bisher nicht zufriedenstellend (Vlachos 2001b), deshalb ist die Indikation hierfür eng zu stellen.

 

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LITERATUR

Vlachos A, Klein GW, Lipton JM (2001a)  The Diamond Blackfan Anemia Registry: tool for investigating the epidemiology and biology of Diamond-Blackfan anemia. J Pediatr Hematol Oncol 23: 377-382

Vlachos A, Federman N, Reyes-Haley C et al. (2001b)  Hematopoetic stem cell transplantation for Diamond blackfan anemia: a report from the Diamond Blackfan Anemia Registry. Bone Marrow Transplant 27: 381-386

Willig TN, Niemeyer CM, Leblanc T et al. (1999) Identification of new prognosis factors from the clinical and epidemiologic analysis of a registry of 229 Diamond-Blackfan anemia patients. DBA group of Societe d'Hematologie et d'Immunologie Pediatrique (SHIP), Gesellschaft für Pädiatr. Onkologie & Hämatologie (GPOH) and The European Society for Pediatr. Hematology & Immunology (ESPHI). Pediatr Res 46: 553-561

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